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Züruck

Stark und erfolglos - Seit vier Monaten wieder im Lande, nix gerissen und trotzdem fitter denn je?

 

Seit vier Monaten wieder im Lande, nix gerissen und trotzdem fitter denn je?

 

 pirmin bertle, kuchen
 Patagonischer Schokokuchen aus dem Wasserdampf von über dem Feuer.

 

Ich hätte nicht viel gegeben auf meine Form nach sieben Monaten Patagonien. Ernährungsphysiologisch höchst bedenkliches Essen (Steak, Wein, Weißbrot), schlussendlich, trotz des schwersten Boulders und der schwersten Route des südlichsten (nichtantarktischen) Landteils des Erde, gar nicht so viel geklettert. Pausen von fünf Wochen zwischen den einzelnen Kletterspots kamen uns mehr als nur einmal unter. Was durchaus nicht störte, nicht schadete, im allgemeinheitlichen Sinne. Wer will schon nur Klettern, wenn er mit einem Bus und der Familie einen der schönsten Landstriche der Erde bereisen darf? (Gut, da könnte ich jetzt schon ein paar Namen aus dem Hemdsärmel schütteln, aber…)

Kurzum, ich war ziemlich überrascht, nach der Sintflut im europäischen Juni irgendwann an meine alte Sandstein-Molasse-Trainingswand in Fribourg an den Ufern der Sarine zurück zu kommen, dort einige der spinnwebenbahafteten Projekte zu versuchen und festzustellen: Gar nicht so wenig Strom. Mongolia, 8B/8B+ (was dann im Juli fallen sollte) viel näher als jemals zuvor! Was merkwürdig war nach drei Monaten ohne einen einzigen Boulder und eher Ausdauerklettern in Piedra Parada. Außerdem gut drei Kilo mehr als im Sommer zuvor und der bis dahin klar besten Form meines Lebens mit 8C+ Boulder (Drop a line) im April 2015 und 9a+ Route (Des scènes bizarres dans la mine d’or) im August desselben Jahres. (Sieht man einmal von dem Hämoglobin getriggerten Hoch nach fünf Wochen im Himalaya und dem außerordentlich glücklichen Durchstieg von Meiose, 9b, im November 2015 ab.)

Und das serielle Überraschtwerden wollte auch so schnell kein Ende nehmen. Was hatte ich gekämpft letztes Jahr mit dem zunächst als obligatorisch erachteten Abschlusssprung in Des scènes bizarres…! Diesem Ungetüm von einem Seitwärtssprung nach rechts auf einen in die falsche Richtung gedrehten Henkel, von dem es mich eins ums andere Mal mitsamt meist einem dicken Fetzen Haut herunter gezogen hatte. Mickrige drei Mal konnte ich den Dyno als Einzelzug nur klettern, und dann vermutlich auch stets mit ein bisschen Bremsleistung aus dem zu langsam ausgegebenen Sicherungsseil. Nach insgesamt 17 Tagen Arbeit war mir die Route nur deshalb gelungen, weil ich noch einmal den einzigen nicht sehr guten Abschnitt Fels an dieser Stelle untersuchte, um dort eine mickrig bröselige Leiste finden/freizulegen, die mir erlaubte, das Irgendwas-um-8B in einen modernen 8A Boulder zu verwandeln, (also einen 7C+). Aber diese Lösung war von vornherein unter dem Stern des baldigen Vergehens angesiedelt. Ein solch dünnes, scharfes Messer, wie dieser neu entdeckte Griff, würde niemals den Megapranken eines dieser seit dem sechsten Lebensjahr auftrainierten zukünftigen Olympioniken standhalten. Und die Stelle war zwar auch so gut, aber mit dem Sprung: Unsterblich!

(Sorry für den Affront, aber welche der altgedienten (ausgedienten) High-End-Klassiker will damit schon mithalten müssen? Die speckige Action mit ihren Campusmoves? Das rechterhand stets trittbröselige und ebenfalls sehr rechts-links-lastige Corona über einer gefühlten Autobahn? La Rambla mit seinem unten bedenklich schläfrigen Bewegungs- und Gesteinsqualität?)

 

 pirmin bertle, 9a+
 Des scènes bizarres dans la mine d'or (9a+), die Vorlage für La cène du lézard (ca. 9b).

 

Wo findet man in einer Felsroute auf 8m Crux schon mal folgende Elemente: Kreuzer aus einem Footlock heraus, Minileistenpilz matchen, weit in ein völlig alleinstehendes, offenes Loch ziehen, umlegen des linken Fußes auf Toehook, mit Links dazu ins Loch, mit der anderen Hand ganz hinten im großen Loch in ein dort eingelagertes Einfingerloch umgreifen, Position über einen von Schweizer Militär geschossenen Tritt auf einer ansonsten absolut blanken Wand auflösen, Schultergriff links gegen Einfingerloch rechts über den Hebelarm der Fingermittelgelenke verkanten, dadurch die Position ausreichend stabilisieren, um rechts außen einen überhaupt nicht weit entfernten, aber unerreichbaren Tritt zu angeln, rechts einen Untergriff holen, Fuß zur Hand ins einsame Loch, Untergriff matchen und die volle Armspanne nach oben in einen Henkel. 8B und die erste Crux der Route. (Zur Anregung der Phantasie sei folgendes Video empfohlen: https://vimeo.com/138370456) Aus dem freien Hängen klippen (keine Pose, anders geht es nicht) und rüber in den Ruhepunkt, erneut ein Footlock über Kopf, an dem man beinahe das komplette Körpergewicht abhängen kann, um sodann in den oben beschriebenen Sprung zu starten. Unsterblich! (Ich bin jetzt kein Wahlschweizer mehr und darf diese Route also in allen Farben des Himmelszeltes loben.)

Kurzum: Ich wollte diese Route unbedingt noch mit dem Sprung klettern, auch wenn der Griff noch gar noch nicht rausgeflogen ist. Einfach zum Spaß und am besten gleich noch mit dem direkten Einstieg über Le roi lézard, 8c+. Man ersetze den alten 8a-Einstieg durch eine knackige 8b und garniere dasselbe mit einem Ruhepunkt à la: Should I stay or should I go, ich weiß auch nicht so recht, irgendwie lauf ich zu, anstatt mich zu erholen. Das Vorspiel macht also durchaus einen Unterschied.

Hätte ich mir vorher alles natürlich im Leben nicht zugetraut, vor allem nicht aus der Position eines Urlaubers heraus, der ich für Fribourg nach zehn Jahren in dieser tollen Stadt ja jetzt wieder bin. Reinschauen wollte ich Anfang Juli aber trotzdem mal und siehe da: Der Sprung geht gleich aus dem Stegreif. Die erste Crux, wie oben ersichtlich geworden, beileibe keine gewöhnliche Kletterei, die man eh immer irgendwie kann, auch bereits am ersten Tag. Zwei Tage später läuft dann beides nicht mehr, was unter anderem am warmen Wetter liegt, aber vor allem an einer irgendwie vorübergehend verdrängten Einsicht, dass diese Route zumindest für mich untrainierten Sack zu intensiv ist, um sie in einem normalen onedayononedayoff oder 1-2 zu versuchen. Da wir den Sommer über immer nur kurz in der Schweiz sind, sammele ich bis September nur sechs Tage in der Route und komme dem Durchstieg dabei noch nicht wirklich nahe, was vor allem am verschärften Einstieg liegt. Insgesamt fühlt sich allerdings alles nach wie vor besser an, als im Vorjahr. Ich bleibe dran.

Gleichzeitig klettere ich natürlich auch wieder zuhause. Endlich wieder Kochel! Geil! Vor allem im Sommer! Da ist das Einzige was hilft: Um halb sieben aufstehen, um acht an der (Afrika-) Wand stehen, schattiges Projekt wählen. Das habe ich zum Glück schon. Noch. Seit bald zehn Jahren glaube ich. Eine Kombi aus Wichtjahr (10/10+), Weitwixgesellschaft (10), Des Wahnsinns fette Beute (10+) und QL (11-). Von den ersten 50 Zügen ist nur einer leicht, dafür aber die letzten 20 (was dann auch schon wurscht ist). Bescheiden, wie ich geboren wurde, dachte ich immer, die Route sei gar nicht schwer, nach den ersten sechs Tagen überkommen mich dann aber doch Zweifel. Zum einen steige ich, da mir der Startboulder der Weitwixgesellschaft mal richtig fies in die Bizepssehnenansätze gebissen hatte, jetzt eben noch weiter und noch schwerer weiter rechts ein, zum anderen klippe ich alle Haken selbst! (Oder lasse sie selbst aus.) Das ist in good old Germany, das den Rotpunkt doch einst erfunden hat, ja nicht selbstverständlich. Im Franken sind die Klippsticks bekanntlich länger als die Stämme der umstehenden Bäume, aber auch in Kochel ist sich fast niemand zu schade, unter fadenscheinigen Sprunggelenkserhaltungsargumenten auch schon mal die Kette vorzuklippen. Auf jeden Fall muss man in Heim nach Afrika schon mal tough 8b+ liefern, bevor man überhaupt in Sichtweite der Crux kommt. Zumindest der sich dort in der Mitte befindliche Ruhepunkt ist in Ordnung, dann aber wartet die Crux von Des Wahnsinns fette Beute als Querung, um nahtlos in die Schlüsselpassage der schönen QL hinüberzugleiten. Klettert man diese Crux über die eigentliche Linie von unten an, wird in etwa 7b verlangt, von rechts kommend eher 7B+ Boulder, der noch dazu extrem auf die Rumpfspannung geht und vermutlich mit einem ordentlichen persönlichen Liegfaktor belegt ist (wie ich beim Studium eines Freundes, der bis hier sicher nicht gelesen hat, bemerken dürfte). Plus eben die 25 Züge 8b+ davor. Ist das hier wirklich wie geplant noch als 9a verkäuflich?

 

pirmin bertle, soft parade, 8c, kienstein, kochel 
 Die letzten Bilder aus meinem alten Leben in Kochel. The Soft Parade, 8c, Kienstein, 2005.

 

Vergleiche müssen her! Erst aber noch ein Ausflug für ein Hochzeitswochenende in die Schweiz. Für meine verschärfte Version von Des scènes bizarres… (Hört auf: La cène du lézard – das Abendmahl der Echse) bleibt mir nur noch eine Taktik: Bedenkenloser Überfall. In der Route trainieren liegt, seit meine Freundin 100% arbeitet und die Kinder im Kindergarten sind, für mich nicht mehr drin. Stand Ende August: Vollkommen spannungslos in der Mitte der ersten Crux abgeschmiert. Jetzt ziehe ich alle Register. Halb fünf aufstehen, Kinder einpacken, in die Schweiz fahren (5h), 10 Minuten Halbschlaf auf der Couch, Kinder in einer so verplanten Aktion an die Urgroßeltern übergeben, dass dabei das Mittagessen auf der Strecke bleibt, ins Jansegg fahren (knappe Stunde), hochlaufen, schwitzen. 30.09. auf 1750m = 22° oder so. Aber die Luft ist trocken, mein Zustand desolat, aber niederträchtig. Ich weiß, ich bin zu allem bereit, die Frage ist nur, was werde ich können? Erst mal (1. Versuch) nicht so viel. Aber Highpoint (hab ich letztens erst gelernt und ersetzt neudeutsch elegant das alte: So weit war ich vorher noch nie gekommen) nach oben verschoben. Das ist normalerweise alles was ich will. Deswegen klettere ich schon so lange so gerne so wenig: Weil ich immer nur ganz wenig Fortschritt will. Aber heute will ich alles! Und genauso gehe ich den 2. Versuch auch an. 8b weggerupft. Erste 8B Crux durchgeballert, ohne eine einzige Regung der Schwäche vorzutäuschen, denn diese Route ist ein Hai, der gerne Blut riecht und ist es auch noch so ozeanisch verdünnt. Am Ruhepunkt, die Welt steht auf dem Kopf, hinten der Berg in der Sonne, grün, blau und ocker, dann immer wieder der Gedanke, maßlos angemessen: Die holst du dir, die holst du dir, jetzt gleich, die holst du dir. Das Problem ist eher: Alles ist staubig, ungeputzt seit 5 Wochen und die Ticks sind weg. Und auch wenn ich i.d.R. wirklich ohne Markierungen zurechtkomme, bei einem 2m Sprung in ungewisse flechtig trübe Wasser könnte ich gut ein bisschen mehr Übersicht gebrauchen.

So spring ich halt ohne los, und meine Gedankenspirale puscht mich höher und höher. Am Ende viel zu hoch. Zehn Zentimeter zu weit oben greife ich an die Kante, sie ist auch dort nicht schlecht, aber noch vertikaler gedreht und also noch blöder abzufangen. Und trotzdem halte ich sie für: Einmal nach rechts schwingen, dann zurück nach links, wieder ein Stück nach rechts und dann erst zieht es mich vom Griff herunter… Ich schreie diesen magisch ruhigen Ort in Grund und Boden, eher vor Freude, als vor was weiß ich, aber der dritte Versuch hat trotzdem nicht mehr den gleichen Punch, ich falle erneut am Sprung, aber schlechter und drei Tage später und nach der Hochzeit bin ich noch nicht wieder auf der (gleichen) Höhe. Allein bleibt mir die Bestätigung der These: Stärker wirst du nur, wenn du eine Route nicht kletterst. Sogar über Pausen von fünf Wochen anwendbar.

Fünf Wochen September, in denen ich noch nicht einmal besonders viel geklettert war. Vielmehr hatte ich mir einen Jugendtraum erfüllt: Einen Boulderblock im Garten. Aus echtem Fels. (Zumindest in seinen relevanten Teilen, der bekletterten Oberfläche.) Der erste TreeBloc©®™ des Universums. Vergleichbar mit einem Kunstwandblock nur viel, viel billiger. Kein Fundament, sondern mit Spanngurten in einem Baum aufgehängt, keine teuren Multiplexplatten, sondern Second Hand Gerüstplanken (die sind auch Multiplex und sogar wasserfest, außerdem torsionsresistent). Dahinter ein paar Balken und viele Dachlatten, oberdrauf ein Dach aus Lastwagenplane und noch mal eins aus Buchenlaub, darunter Hackschnitzel und darauf…: Die besten Griffe der Welt. Sandstein im Kunstharzbett! Kein Sternekoch der Welt hätte sich etwas Appetitlicheres ausdenken können. Unklar, ob es mehr Spaß macht, sie herzustellen, oder zu beklettern, ist auch egal, ich auf jeden Fall muss nicht mehr an die Atlantiswand zum Bouldern und auch nicht mehr ans Plastik! Mein Jugendtraum ist Lebenstraum geworden. Seit Jahren hatte ich mich nicht mehr für mehr als eine gute halbe Stunde „Training“ (also Plastebouldern, was anderes hab ich ohnehin nie praktiziert) motivieren können, jetzt habe ich plötzlich Probleme nach 3h aufzuhören (denn ich habe im Garten ja auch Lampen).

 

tree bloc, pirmin  bertle,  
 TreeBloc. Innovativer gehts eigentlich nicht. Der geilste Block der Welt und auch noch in meinem Garten.

 

Aber auch in Kochel beginnt endlich die Saison. Am ersten kühleren Date mit Heim nach Afrika geht zum allerersten Mal in zehn Jahren plus ca. sieben Tagen diesen Sommer der obere Teil komplett. 8c+ müsste es demnach schon sein. Die powerige 8b+ unten geht zwar auch wieder gut (bei wärmeren Temperaturen hatte mich der helle, griparme Fels immer wieder abgeworfen), zusammen sehen beide aber noch immer nach etwas Arbeit aus.

Also mal Rockywand. Ich hatte irgendwas aufgeschnappt von Projekt, das der Antonator Adam Ondra angepriesen hatte, der es jedoch freundlich ausgeschlagen, die Züge seinen vorstellbar, davor müsse man aber schon knapp 9a klettern und dann ohne Rastpunkt da rein. Das klingt doch lohnend. Es ist Anfang Oktober und nachdem am Freitag zuvor in der Schweiz noch 27° Grad auf dem Autothermometer aufgeleuchtet hatten, schneit es jetzt Graupel auf dem Weg zur Wand. Endlich also Reibung! Die „Normalvariante“ von ummunkelten Projekt heißt Black Flag und hat erstaunlicherweise nichts mit dem IS zu tun, sondern natürlich mit Metal (so eine Wissenslücke kann einem Easy Listening Typ wie mir eben schon mal unterlaufen). Vor allem aber ist diese Linie, die ich aus meinem letzten Kochelleben noch gar nicht kannte, der Abschuss (Sie gab es auch noch nicht). Die Löcher sind zwar ein bisschen mit Sika gegen das sikande (sickernder) Wasser abgedichtet und eines ist auch gebohrt, aber das Ding klettert sich besser als Céüse im Schnitt und in etwa so wie der Sektor Biographie als Ganzes. Glatte Wand, bester Kalk, fette Löcher, weite Züge. Athletisch, pumpig, kreativ, eine sich schlängelnde Linie, (dass ich sofort meine Lézard-Familie im Jansegg als Namenspatronen herleihen würde), und gute 40m Kletterstrecke. Komisch, dass auf dem Kochelführer vorne ein Boulder an der Atlantiswand drauf ist und dass es von dieser Route kaum ein anständiges Bild, geschweige denn ein Video im Netz gibt.

Ralf Grabowski hat sie zudem gerade erst nicht „nur“ als zweite Länge, sondern vom Boden weg über eine 8b einkletternd gepunktet und so eine 70-Zug-Herausforderung geschaffen, die sich eigentlich anschicken müsste, an die Pforten des 9. Franzosengrades zu pochen und zudem alles hat, was Kochel (Im besten Fall) kann. Zwar wurde Black Flag an sich trotz Griffausbruchs am letzten Zug von 8c+/9a auf hart 8c abgewertet, aber mit 8b davor…?

Mein letztes Eintagesprojekt beim Routenklettern liegt, abgesehen von einem alten Projekt in den Gastlosen diesen Sommer (Ganja direct, ca. 8c), Jahre zurück. Ich drücke mich nicht nur vor dem Druck des Onsights, ich scheue auch Rechnungen von der Art: 8c muss aber eigentlich schon an einem Tag gehen, usw. So richtig wohl fühle ich mich eigentlich erst, wenn es mindestens fünf Tage dauert, denn dann kommt es auf ein paar Versuche mehr oder weniger auch nicht mehr an. Hier jedenfalls beschließe ich eine Ausnahme zu machen, denn auch wenn ich aus Achtung der beiden am Einstieg erfrierenden alle Stellen im ersten Versuch nur schnell anschaue, verdichtet sich bei mir doch erneut diese bedenkenlose Überfallsahnung vom Wochenende zuvor.

Volle Konzentration schon im 2. Versuch, tatsächlich ein ungewohntes Gefühl, aber auch spannend. Immer wieder muss ich vor allem im oberen Teil nach unten hin nachfragen, aber die Crux läuft und erst am allerletzten Zug, genau dort, wo der dicke Heli den kleinen Griff kleiner gerissen hat, fliege ich mit tiefgefrorenen Fingern schließlich ab. Geiler Go. Als ich zum letzten Mal schon bewertete Routen an einem Tag versuchte, gelang mir noch im besten aller spanischen Fälle 8b+ (das ist aber auch fünf oder sechs Jahre her). Ich bin überglücklich. Black Flag werde ich erst wieder versuchen, wenn ich sie im Vorbeigehen mitnehmen kann. Diese Bilanz kann ich schließlich nur noch versauen.

 

pirmin bertle, soft parade, 8c, kienstein, kochel 
 Noch so ein pränatales Schmankerl! Wieder The Soft Parade.

 

Eigentlich bin ich nämlich auf der Suche nach einem Projekt, das mir anfällige Fahrten ins Franken erspart. Dort habe ich diesen Sommer mal bei 30,5° Corona und Action directe angeschaut und habe ja schon geschrieben, was ich von besagten Linien halte. Aber irgendwas meine ich eben gegen meinen Ruf, immer nur Erstbegehungen zu liefern und dabei vogelwild zu bewerten, tun zu müssen. Nach dem Durchstieg von Meiose sei angeblich (ich selbst habe die Diskussion auf 8a.nu nicht mitverfolgt) ein Shitstorm über mich eingebrochen, der vor allem von 6a-Kletterern befeuert wurde. Die Anschuldigungen gingen anscheinend so weit, dass Herr Larssen offensichtlich zum Mittel der Zensur greifen musste. Wie dem auch sei: Ich hatte wirklich einmal vor, Corona zu projektieren, in der bei besagten 30,5 Graden alle bis auf einen Zug gingen, aber dann gehe ich noch einmal an der Rockywand. Und sehe, was ich bereits geglaubt hatte, gesehen zu haben: Die große, weite Schlaufe nach der Crux von Black Flag, die zwar unglaublich geil, aber schon ganz schön schlaufig ist, lässt sich elegant über einen kurzen, knackigen Boulder abkürzen. 5 Züge statt 10. Offene Dullen, kein Sika. Präzise, weite Züge. Genau mein Ding. Vielleicht so 8A+. Danach noch der (wieder gemeinsame) Schlussboulder, der mich im 2. Versuch abgeworfen hatte. Perfekt.

Als Zustieg kann man sich eigentlich fast alles wählen, was unten so herum steht, und ganz unbewusst sollte ich an diesem schönen, sonnigen letzten Sonntag, in dem es oben im 2. Stock schnell zu heiß wird, auch noch zwei Versuche in Nangijala (8c+) werfen. Ein Klassiker fast vollkommen ohne Begehungen (drei) aus den 90ger Jahren, der auf den ersten Blick grottig aussieht (wegen etwas viel Sika geschmiert zum Abdichten), sich dann aber echt geil klettert. Das wäre doch auch eine marathonianische Idee: 8c+ mit einem No-Hand in der Mitte bis zu einem guten Ruhepunkt, dann 8A, ohne Schütteln in 8A+ und wieder ohne Schütteln in einen 6C+. Wäre dann zwar wieder eine Erstbegehung, (aber ich scheiße jetzt schon auf den Shitstorm.)

Und sie könnte passend zur aktuellen Häufung von IS-Kämpfern in der Welt nach der hiesigen zum Beispiel Schwarze Flaggen über Nangijala heißen.  

 

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